Billinski · Ratgeber
Differenzbesteuerung mit Shopify: Gebrauchtwaren, Kunst und Antiquitäten
Wer gebrauchte Ware ankauft und weiterverkauft, versteuert oft nicht den ganzen Preis, sondern nur die Marge. Für deinen Shopify-Shop heißt das: keine Umsatzsteuer auf der Rechnung, ein bestimmter Pflichthinweis, die richtige Steuereinstellung am Produkt und Aufzeichnungen, aus denen deine Kanzlei die Steuer berechnet.
Für wen die Differenzbesteuerung gilt
Die Differenzbesteuerung nach § 25a UStG gilt für Wiederverkäufer, also Händler, die gewerbsmäßig mit beweglichen Gegenständen handeln. Voraussetzung ist, dass du die Ware im EU-Gebiet ohne Vorsteuerabzug eingekauft hast: von Privatleuten, von Kleinunternehmern oder von anderen Händlern, die selbst differenzbesteuert verkauft haben. Typisch sind Second-Hand- und Vintage-Mode, gebrauchte Möbel, Bücher und Technik, Sammlerstücke und Antiquitäten.
- Gebrauchtgegenstände sind Gegenstände, die so oder nach einer Instandsetzung wieder genutzt werden können.
- Kunstgegenstände, Sammlungsstücke und Antiquitäten haben eigene Hinweise; unter bestimmten Voraussetzungen ist die Differenzbesteuerung für sie auch dann möglich, wenn du sie mit Umsatzsteuer eingekauft oder selbst eingeführt hast (§ 25a Abs. 2 UStG).
- Nicht erfasst sind Edelsteine und Edelmetalle (§ 25a Abs. 1 Nr. 3 UStG) und Ware, die du mit ausgewiesener Umsatzsteuer gekauft hast, etwa Neuware vom Großhandel. Die versteuerst du regulär.
Ob deine Ware darunterfällt, klärst du am besten einmal grundsätzlich mit deiner Steuerberatung, bevor die ersten Rechnungen entstehen.
Was auf die Rechnung gehört
Die Rechnung enthält die üblichen Pflichtangaben (Rechnungen in Shopify) und zusätzlich einen Hinweis auf die Sonderregelung (§ 14a Abs. 6 Satz 1 UStG), je nach Art der Ware:
- „Gebrauchtgegenstände/Sonderregelung“,
- „Kunstgegenstände/Sonderregelung“ oder
- „Sammlungsstücke und Antiquitäten/Sonderregelung“.
Stehen differenzbesteuerte und regulär besteuerte Artikel auf derselben Rechnung, muss erkennbar sein, welcher Artikel unter die Sonderregelung fällt.
Was nicht auf die Rechnung darf
Für differenzbesteuerte Artikel darf die Rechnung weder Steuersatz noch Steuerbetrag ausweisen (§ 14a Abs. 6 Satz 2 UStG). Steht dort trotzdem Umsatzsteuer, schuldest du den ausgewiesenen Betrag zusätzlich (§ 14c UStG). Firmenkunden können aus einer solchen Rechnung deshalb auch keine Vorsteuer ziehen. Im Shop schreiben viele Händler bei diesen Artikeln statt „inkl. MwSt.“ einen Hinweis wie „differenzbesteuert nach § 25a UStG, MwSt. nicht ausweisbar“.
Shopify richtig einstellen
Shopify kennt die Differenzbesteuerung nicht als eigene Einstellung. Entscheidend ist, dass Shopify auf diese Artikel keine Umsatzsteuer berechnet:
- Beim Produkt im Abschnitt Preis „Steuer für dieses Produkt erheben“ ausschalten. Der Preis, den du eingibst, ist dann der Endpreis; die Steuer auf die Marge steckt darin.
- Differenzbesteuerte Ware als eigene Produkte anlegen, nicht als Variante neben Neuware. So lässt sich jedes Produkt eindeutig zuordnen.
- Die Produkte markieren, zum Beispiel mit einem Produkt-Tag, damit deine Rechnungslösung sie erkennt.
Ein häufiger Fehler: Das Produkt ist markiert, aber Shopify erhebt weiter 19 %. Dann passt der Checkout nicht zur Rechnung, und auf der Rechnung stünde Steuer, die dort nicht stehen darf.
Die Marge berechnet deine Kanzlei
Besteuert wird der Unterschied zwischen Verkaufs- und Einkaufspreis, die Umsatzsteuer ist darin enthalten. Ein Beispiel: Ankauf für 40 €, Verkauf für 100 €. Die Marge beträgt 60 €, darin stecken 19/119, also 9,58 € Umsatzsteuer. Dabei gilt immer der Regelsteuersatz von 19 %, auch für Ware, die sonst ermäßigt wäre, etwa Bücher (§ 25a Abs. 5 UStG). Eine negative Marge lässt sich nicht mit anderen Verkäufen verrechnen; für Gegenstände bis 500 € Einkaufspreis darfst du stattdessen die Gesamtdifferenz eines Zeitraums ansetzen (§ 25a Abs. 4 UStG).
Dafür brauchst du Aufzeichnungen je Gegenstand: Einkaufspreis, Verkaufspreis und die Bemessungsgrundlage (§ 25a Abs. 6 UStG). Bewahre Ankaufbelege auf, auch Quittungen von Privatleuten. Eine Rechnungs-App kennt deinen Einkaufspreis in der Regel nicht; die Steuer auf die Marge bucht deine Kanzlei aus diesen Aufzeichnungen.
Kunden in der EU und außerhalb
- Privatkunden in anderen EU-Ländern: Die Differenzbesteuerung gilt weiter, und zwar in Deutschland. Die Regeln für Fernverkäufe greifen nicht, es gibt also keinen Steuersatz des Ziellandes und keine OSS-Meldung für diese Artikel (§ 25a Abs. 7 Nr. 3 UStG). Mehr zu OSS im Ratgeber OSS und EU-Versand.
- Firmenkunden in anderen EU-Ländern: Auch mit gültiger USt-IdNr. ist die steuerfreie innergemeinschaftliche Lieferung ausgeschlossen (ebenfalls § 25a Abs. 7 Nr. 3 UStG). Die Rechnung bleibt differenzbesteuert.
- Außerhalb der EU, etwa in die Schweiz oder nach Großbritannien: Die Lieferung bleibt eine steuerfreie Ausfuhr (§ 4 Nr. 1 a, § 6 UStG), wenn du die Ausfuhr nachweist. Für das Paket braucht der Zoll eine Handelsrechnung.
- Kleinunternehmer weisen ohnehin keine Umsatzsteuer aus und brauchen die Differenzbesteuerung nicht (Kleinunternehmer mit Shopify).
Checkliste
- Mit der Kanzlei klären, welche Ware unter § 25a UStG fällt und ob Einzel- oder Gesamtdifferenz.
- Jeden Ankauf mit Datum, Verkäufer und Einkaufspreis dokumentieren.
- Die Produkte in Shopify markieren und bei ihnen das Erheben von Steuern ausschalten.
- Den Preishinweis im Shop für diese Artikel anpassen.
- Eine Testbestellung prüfen: kein Steuerbetrag, der Hinweis zur Sonderregelung, regulär besteuerte Artikel weiter mit Steuer.
- Das Erlöskonto für die Differenzbesteuerung mit der Kanzlei abstimmen (DATEV-Export aus Shopify).
So macht es Billinski
Unter Einstellungen → Steuer schaltest du die Differenzbesteuerung ein und markierst die Produkte in Shopify mit einem Tag, getrennt für Gebrauchtgegenstände, Kunst und Sammlungsstücke. Billinski stellt diese Artikel ohne Umsatzsteuer aus, mit dem passenden Hinweis in der Sprache der Rechnung, auch neben regulär besteuerten Artikeln, und als gültige E-Rechnung. Hat Shopify auf einen markierten Artikel doch Steuer berechnet, wartet die Bestellung unter „Zu prüfen“, statt falsch fakturiert zu werden. Lieferungen in andere EU-Länder bleiben differenzbesteuert, Ausfuhren steuerfrei. Im DATEV-Export stehen diese Umsätze auf einem eigenen Erlöskonto; die Steuer auf die Marge bucht deine Kanzlei. Preise ansehen · Fragen zur Differenzbesteuerung
Stand Oktober 2026. Dieser Ratgeber gibt einen Überblick und ersetzt keine Steuerberatung.